Rumänien 17.09.2016 - 24.09.2016

 Reisebericht Rumänien / Bukarest / Copaceni / Calarasi 17.09.2016-24.09.2016

Tierschutzverein Initiative für Strassentiere e.V.

von Martina Höllein

 

 

Unsere eigentliche Planung hatten wir im Vorfeld schon aufgestellt, da in dieser Woche auch unsere große Kastrationsaktion bei Gabi in Copaceni angesetzt war.

Ein Tierschützer in Rumänien braucht keinen „8-Stunden-Tag“; der Tag wird von ganz allein damit ausgefüllt, das Leben der unzähligen Hunde und Katzen zu retten, sie zu sichern, zu füttern, am Straßenrand, auf verlassenen Geländen, auf den Feldern, auf den unzähligen Müllkippen, sich mit ihnen zu beschäftigen, sie medizinisch versorgen zu lassen, sie zu kastrieren, einen Überlebensplatz für sie zu schaffen ...

 

 

Tag 1: 17.09.2016 - Ankunft - „11 auf einen Streich“

 

Gegen 15 Uhr sind wir am Flughafen in Bukarest angekommen, haben unser Auto geholt und sind in den nächsten Supermarkt gefahren, um Hunde- und Katzenfutter zu kaufen. Schon hier begegneten uns unsere ersten Straßenhunde, der von uns Wasser und Futter bekam.

 

 

Das Auto vollgeladen machten wir uns auf den Weg nach Copaceni. Copaceni liegt ca. 20 km südlich von Bukarest. Im Berufsverkehr benötigt man für diesen Weg ca. 2 Stunden und wir steckten mitten drin.

 

 

Die Wiedersehensfreude war groß. Gabi, Niculae und Bucur und natürlich die Hunde und Katzen warteten schon auf uns. Es folgten Umarmungen, riesiges Gebell und Gewusel um unsere Beine, so daß wir achtgeben mußten, niemandem auf die Füße zu treten oder selbst zu stolpern.

 

Gabi zeigte uns gleich die Neuankömmlinge von diesem Tag:

 

Eine Hundemama mit drei Welpen (ca. 2,5 Monate alt) - am Tor in einem verschnürten Beutel ans Tor gehängt - bei 35° C. Die Hündin stand noch einen Tag nach ihrer Ankunft völlig unter Schock.

 

Eine Hundemama mit vier Welpen (ca. 8 Wochen alt) brachte ein Mann in einem Karton:

 

 

 

 

Ein Hundewelpe, ca. 4 Monate alt- Niculae taufte ihn Mucki...

 

 

 

...und eine kleine weiße Hündin, ca. 1 Jahr, beide liefen Nicolai auf der Straße hinterher bis zu Gabis Gelände - nun waren sie da.

Wir luden das Futter aus, fütterten die Katzen und Hunde und holten Wasser.

 

Auf dem Gelände gibt es keinen Wasseranschluß. Das Wasser muß jeden Tag per Auto in unzähligen 5-Liter-Flaschen von einer 2 km weit entfernten, öffentlichen Pumpe geholt werden, um alle Hunde zu versorgen.

 

 

Mittlerweile war es 20.00 Uhr. Wir machten uns mit Gabi auf den Weg zu unserer Wohnung nach Bukarest. Auf diesem Weg fütterten wir unzählige Hunde. 30 kg Trockenfutter und 5 Dosen Naßfutter benötigten wir - nur für diesen Weg. Auch unser Sascha ist einer von ihnen. Gabi möchte ihn zu sich nehmen ...Wir hoffen, es klappt in den nächsten 4 Wochen; er benötigt so dringend eine medizinische Behandlung für seine Haut und sein Fell. Den Winter wird er so nicht überstehen….

Gegen 22.00 Uhr kamen wir in unserer Unterkunft an. Diese teilten wir uns mit drei Katzen, was wir sehr begrüßten :-)

Tag 2: 18.09.2016 „Sprachlos und Geschockt“

 

Unser erster Weg nach dem Aufstehen führte uns zum Supermarkt: Das Auto voll Futter laden. Mit Gabi zusammen machten wir uns dann auf den Weg nach Copaceni. Wir hielten unterwegs bei einer Frau, die sich um eine Straßenhundemama mit ihren Jungen kümmert. Wir fütterten sie und ließen auch noch Futter da, machten Bilder und Beschreibungen ...vielleicht bekommen sie einen Namen und ein Zuhause ...

 

 

In Copaceni angekommen fuhren wir mit Gabi weitere Plakate aushängen, die unsere anstehende Kastrationsaktion am Montag, 19.09.2016 ankündigten. Wir sprachen mit vielen Bewohnern im Dorf und viele, die anfangs sehr skeptisch waren und zum Teil nicht einmal wußten, was eine Kastration ist, sagten am Ende doch zu, dass wir die Hunde und Katzen abholen und kastrieren lassen dürfen.

 

Weitere vier Hunde vom angrenzenden Feld waren ebenfalls eingeplant, wir fütterten sie an und waren guter Dinge, dass sie sich am nächsten Tag leicht mitnehmen lassen würden.

 

Wir fuhren zurück zu Gabis Gelände packten ca. 50 kg Futter ins Auto und begannen unsere Tour zu den vielen Hunden, die Gabi noch füttert, neben „ihren“ Hunden und jenen auf dem Heimweg. Niculae kam auch mit, ein 17-jähriger Teenager: die rechte und auch die linke Hand von Gabi.

 

Viele Hündinnen mit Welpen begegneten uns - zu viele. Die Körper sind ausgemergelt, kaum Haut auf den Knochen, die Blicke traurig-bittend oder ängstlich-argwöhnisch und immer bereit, zu flüchten - egal wohin, zur Not auch über eine vielbefahrene Straße. Man muß höllisch aufpassen, daß man solche Hunde nicht unbeabsichtigt in den Tod schickt.

 

Sie leben in Büschen, auf den Müllkippen, im Wald, dehydriert im Sommer, frierend im Winter, immer hungrig, oft krank und/ oder verletzt.

 

Wir fuhren zu einem nahegelegenen Kieswerk einen Ort weiter. Hier leben 2 Hündinnen mit ihren 8 Welpen zusammen. Niculae und Gabi hatten einen kleinen Unterstand gebaut und 2 Kisten hineingestellt … für das Futter. Unter die angrenzenden, höhergelegenen Betonplatten haben sie große Löcher in die Erde gegraben, dass die Hunde einen notdürftigen Schutz finden. Man muß sich etwas einfallen lassen und auch aus Nichts noch etwas machen können. Der Sand ist warm und die Welpen können dort schlafen. Die Hunde sehen schlimm aus, haben kaum Fell, die Haut ist rot und zum Teil entzündet.

 

 

 Als wir das Kieswerk verließen, hörten wir einen markerschütternden Schrei, dann noch einen und immer wieder mal einen. Das war eindeutig ein Hund, der da schrie. Wir fuhren in die Richtung der Schreie, stoppten immer wieder das Auto, um zu lauschen und zu lokalisieren, bis wir zu einem kleinen Meer aus Gestrüpp, Bauschutt und Müll kamen. Ab hier mußten wir laufen. Wir verteilten uns und suchten verzweifelt, denn die Schreie waren verstummt. Waren wir zu spät, hatte das Tier aufgehört, zu schreien, weil es Angst hatte oder weil es wußte, daß es gefunden werden würde?

 

Wir jedenfalls wußten nur eines: wir würden nicht eher wieder gehen, bevor wir das Tier gefunden haben.

 

Die Suche machte sich auch endlich bezahlt und wir entdeckten in einem Gebüsch einen Hund, der in Panik versuchte wegzulaufen und nicht konnte, irgendetwas hielt ihn fest. Niculae packte den mittlerweile panisch um sich beißenden Hund mit einem Griff und zog ihn an sich. Da sahen wir, was ihn am Wegrennen gehindert hatte: eine Drahtschlinge um seinen Hals. Es hatte irgendjemand Drahtschnüre zwischen den Büschen gespannt, an denen Drahtschlingen befestigt waren. Gabi rannte zum Auto und holte einen Seitenschneider, Niculae hielt den Hund fest und Gabi schnitt den Draht durch. Langsam ließ Niculae den Hund los und er lag ganz ruhig auf dem Boden. Wir streichelten ihn und redeten ihm ruhig zu, er begann zu schwänzeln und stand langsam auf. Er guckte, wandte sich ab und tappte davon. Wir suchten das ganze Gestrüpp ab und holten eine Einkaufstüte voll mit Draht und Schlingen heraus. Schweigend und geschockt stiegen wir ins Auto und fuhren zum Gelände von Gabi zurück. Mittlerweile war es 21.00 Uhr.

 

 Wir fütterten die Hunde und Katzen. Eine kleine schwarze Katze, vielleicht 10 Wochen alt, wollte nicht essen und hatte auch sichtlich Schwierigkeiten beim Atmen. Sie schnupfte stark. Wir holten ihr den Schleim aus der Nase und fütterten sie mit der Spritze. Sie würde die Nacht bei uns verbringen ...

 

 

 Wir packten Futter ins Auto und machten uns auf den Heimweg. Unterwegs hielten wir an vielen Stellen an und fütterten die Hunde ...

 

00.45 Uhr Ankunft in unserer Wohnung.

 

Tag 3 - 19.09.2016 – Umplanen

 

Der Wecker klingelte um 5:00 Uhr.

 

Wir schauten nach der kleinen Katze, sie hatte die Nacht überstanden, atmete aber sehr schwer, wenig später setzte die Atmung aus. Wir hatten keine Chance mehr, ihr zu helfen. Wir mußten sie gehen lassen und die ersten Tränen des Tages rollten, ihr Leben dauerte ganze 10 Wochen.

 

Es blieb uns nicht viel Zeit. Wir mußten noch das Benzin für den Generator besorgen, um das Kastrationsmobil mit Strom versorgen zu können und um 7.00 Uhr sollten wir in Copaceni sein, um die ersten Tiere bei den Dorfbewohnern abzuholen.

 

Der Blick aus dem Fenster verhieß nichts Gutes: es regnete.

 

Kastriert werden kann nur, wenn das Wetter gut ist, nicht zu kalt und kein Regen, da -außer der Operation- alles im Freien gemacht wurde: die Narkosen, das Scheren, die Vorbereitung der Tiere auf die Operation: bei Regen konnte nicht kastriert werden.

 

5 Minuten später erreichte uns die Nachricht, dass der Kastrationstag heute nicht stattfinden würde.

 

Wir planten daher kurzer Hand um und trafen uns um 9 Uhr mit Gabi beim Tierarzt, um offene Tierarztrechnungen zu begleichen, deren Übernahme wir zugesagt hatten. Auch die Behandlung von Filip war dabei. Filip ist gesund und munter…die Körbchensuche kann beginnen.

 

 

 Danach fuhren wir nach Copaceni, um Bilder und Beschreibungen von den Hunden und Katzen zu machen.

 

 

 Doch zuvor mußten wir mit der kleinen Katze ihren letzten Weg gehen. Zur eigenen Trauer und Ohnmacht die Verzweiflung und Enttäuschung des jungen Niculae zu erleben, war hart.

 

 

 Danach fuhren wir mit Gabi und Niculae los, um die vielen Hundemamas mit ihren Welpen zu versorgen. Zurück in Copaceni machten uns erneut zwei Katzen große Sorgen. Sie husteten und schnupften. Wir luden sie in Transportboxen und fuhren nach Bukarest in die Klinik. Es war mittlerweile 22.30 Uhr, als wir mit den Katzen wieder in Copaceni ankamen. Wir packten Futter ins Auto, um die Straßenhunde, die auf unserem Heimweg lagen, zu füttern und brachen auf Richtung Bukarest.

 

 

 Ankunft in unserer Unterkunft 0.30 Uhr.

 

Es zeichnete sich schon in der Nacht ab, dass es sich einregnen würde und wir auch am kommenden Tag keine Kastrationen würden durchführen können. Also planten wir erneut um und verabredeten uns mit unserer Tierschützerin Carmina in Calarasi für den nächsten Tag.

 

Tag 4 - 20.09.2016- „Bitte lass es ein Handtuch sein“

 

Wir hatten uns um 11 Uhr in dem kleinen Shelter von Carmina angekündigt. Calarasi liegt ca. 40 km außerhalb von Bukarest. Eigentlich nicht weit, aber sobald man Bukarest verlässt, begegnet man unzähligen Straßentieren und man kann nicht einfach vorbeifahren, ohne zu füttern oder zu helfen. Viele überfahrene Hunde und Katzen sahen wir auf unseren Wegen und jedesmal wenn sich in der Ferne etwas auf der Straße liegendes abzeichnete, betete es in uns „ Bitte laß es ein Handtuch oder einen zerplatzten Reifen sein.“.

 

Unsere Ankunft verschob sich um ganze zwei Stunden. Wir hatten das Auto voll Futter geladen und erreichten um 13.30 Uhr endlich Calarasi. Es regnete. Von den 35°C am Sonntag war nichts mehr übrig – nur noch 14°C.

 

 Victoria kam uns gleich entgegen, es war ein freudiges Wiedersehen. Wir luden das Futter aus und machten uns sofort an die Bilder und Beschreibungen. Es war schwierig, der Boden war aufgeweicht und die Hunde, die vor lauter Freude immer wieder an die Gitter sprangen, ließen uns aussehen, wie durch eine tiefe Pfütze gehopst. In den Zwingern wuselte es hin und her, alles bellte, jeder wollte Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten und Leckerchen. Zwinger für Zwinger gingen wir durch. Die kleine Rosalie fror, man sah es ihr an. Viktoria bracht eine Decke und legte sie in ihre Hütte, es dauerte keine 10 Sekunden und Rosalie war in der Decke verschwunden. Nur der Kopf guckte noch heraus. Dennoch fror sie und hustete. Sie ist sehr dünn, hat kein Polster und zu dünnes, kurzes Fell, um die Kälte von ihrem kleinen Körper abzufangen. Wir schrieben Carmina eine Nachricht und am nächsten Tag holte sie sie ab und brachte sie bei ihrer Mama in Bukarest unter.

 

Eine kleine Hundefamilie mit drei Welpen war ebenfalls da. Sie wuselten durch den Matsch, sahen aus wie laufende Fellknäuel, die Bäuchen kurz über dem Erdboden. Viktoria holte Stroh und polsterte die Hütten aus, die Kleinen machten sich einen Spaß daraus, die Strohhalme von A nach B zu transportieren und sich durch das Stroh zu wühlen. Sie hatten viel Freude mit dem Stroh :-).

 

 

 

 Sir William, ein Herzensbrecher, auch wir konnten seinem Charme nicht widerstehen. Er ist alt, sieht nicht gut und dennoch hoppelt er hin und her, wedelt mit allem, was er hat, wenn er gestreichelt wird, man möchte ihn am liebsten in die Jacke packen und nicht mehr los lassen. Dieser kleine Opa weckt Beschützerinstinkte. Wir hoffen sehr für ihn, dass er noch die Chance auf einen Altersruhesitz bekommt, wo er seine letzten Jahre friedvoll und geliebt verbringen kann. Wir sind uns sehr sehr sicher, dass er dort nochmal richtig aufleben wird und viel Licht und Liebe in sein Zuhause bringt.

 

 

 Es begann stärker zu regnen und wir waren bis auf die Haut durchgeweicht.

 

Mittlerweile war es spät geworden und wir traten langsam den Heimweg Richtung Bukarest an, um unsere Sachen zu wechseln und nach Copaceni zu fahren.

 

Gegen 19.00 Uhr erreichten wir Copaceni. Niculae kam uns gleich entgegen. Dem kleinen Welpenmädchen Siga und einer weiteren kleinen Katze ging es nicht gut. Wir fuhren mit ihnen sofort zurück nach Bukarest in die Klinik. Siga hustete und atmete schwer.

 

Sie kam sofort zur Behandlung dran. Die Tierärztin konnte nichts finden, warum sie so schwer atmete. In den Tagen zuvor fraß sie, sie trank und spielte auch etwas. Mit einem Knoten im Bauch verließen wir die Klinik.

 

Auf dem Rückweg lief ein kleiner weißer Hund mitten auf der Straße, auf den Straßenbahnschienen. Die Autos rasten hupend vorbei, aber hielten nicht an, fuhren nicht langsamer, auch die Straßenbahn nicht. Wir stellten uns quer auf die Straße und Gabi sprang aus dem Auto, um den Kleinen zu fangen. Aber er war in Panik, reagierte auf nichts, raste von links nach rechts über die Fahrbahn. Wir fuhren dann langsam neben ihm her bis er auf den Bürgersteig rannte. Wir hatten keine Chance, ihm zu helfen.

 

Zurück in Copaceni blieben wir noch etwas bei Siga, sie bewegte sich die ganze Zeit, wollte immer laufen, bis sie sich dann auf ihren Schlafplatz am Eingang zur Baracke legte. Gegen 0:45 Uhr packten wir Futter ins Auto und fuhren Richtung Bukarest zu unserer Unterkunft. Nachdem wir auf dem Heimweg die Hunde mit Futter versorgt hatten, kamen wir um kurz vor 2:00 Uhr „zu Hause“ an.

 

 

 Ein Blick in den Wetterbericht sagte Sonne und 15°C für Mittwoch an. Unser Kastrationstag würde stattfinden.

 

 Tag 5 – 21.09.2016 - Kastrationstag 1

 

Kurz vor 7:00 Uhr waren wir in Copaceni, um mit Niculae zusammen die ersten Katzen und Hunde von den Dorfbewohnern zu holen.

 

Niculae kam uns entgegen, der Kopf hing. Klein Siga war in der Nacht gestorben, er war bis zum Schluß bei ihr gewesen und konnte nichts für sie tun. Es schnürte uns die Kehle zu.

 

Siga fand ihre letzte Ruhestätte zwischen zwei Walnußbäumen, gleich neben der kleinen Katze. Ein paar gesammelte Steine in Herzform kennzeichnen auch ihr Grab. Wir standen noch eine Weile am Grab, unfähig etwas zu tun oder zu sagen.

 

 

 Dann fuhren wir los zu den Dorfbewohnern. Mit 12 Katzen und 5 Hunden kamen wir zurück und es konnte losgehen. Das Team von RAR hatte mittlerweile aufgebaut und begann mit den Kastrationen bei den Katzen. Katzen gibt es wahnsinnig viele, mehr als Hunde. Sie laufen und liegen überall. Wir fuhren los, um die nächsten Tiere von den Dorfbewohnern einzusammeln.

 

 

 Wir waren überrascht und erfreut zugleich, zu erleben, wie etliche Tierhalter ihre Tiere von selber zu uns brachten. In einem Land wie Rumänien ist das etwas Besonderes...

 

...und sie holten ihre Tiere danach auch wieder ab.

 

Bis 17:00 Uhr wurde ohne Pause kastriert. 38 kastrierte Tiere war die Bilanz von diesem Tag.

 

 

Erschwerend kam allerdings hinzu, dass viele Dorfbewohner ihre Tiere gefüttert hatten, obwohl sie den Tieren vor der Kastration nichts geben sollten. So mussten wir die ganze Zeit Wache halten und des Öfteren Hilfestellung geben, wenn sich eine Katze während der Aufwachphase, die von unkoordinierten Bewegungen und Desorientierung geprägt ist, erbrechen mußte.

 

Das Wetter hat uns für unsere ursprünglich angesetzten zwei Tage der Kastrationen einen ordentlichen Strich durch die Rechnung gemacht. So blieb uns nur der Mittwoch, da das Team von RAR ab Donnerstag auf einem anderen Kastrationseinsatz 500 km entfernt im Einsatz war.

 

Wir (people4pets e.V., Help Gaby´s Romanian Dogs und Initiative für Strassentiere e.V.) haben uns daher entschieden, die restlichen Kastrationen mit einer anderen Tierärztin durchzuführen und wir planen den 2. Und 3. Kastrationstag für den kommenden Samstag und Sonntag bei Gabi in Copaceni. Wir haben noch etwa sechzig Tiere auf der Warteliste, zehn schwangere Hündinnen auf der Straße, die vier Hunde vom Feld und vier von Gabis Gelände.

 

 Auch an diesem Abend mußten wir wieder in die Tierklinik, mit zwei Katzen von Gabi und einem kleinen Kater von einer Frau aus dem Dorf, der sehr dünn war.

 

Gegen 22:30 Uhr waren wir dann zurück in Copaceni, packten Futter ins Auto und fuhren Richtung Unterkunft. Mittlerweile kannten die Hunde an der Straße das Auto und warteten bereits auf uns. Gefühlt waren es jeden Tag zwei Hunde mehr, die sich an den Stellen versammelten.

 

 

 Tag 6 - 22.09.2016- Herr Eugen aus Bukarest

 

Auch an diesem Tag führte der erste Weg in den Supermarkt, um Futter für die Hunde und Katzen zu holen. Man muß in und um Bukarest auf alles vorbereitet sein und so befanden sich immer ca. 30 kg Futter im Auto, etliche Konserven und natürlich Leckerchen.

 

Von unserer Tierschützerin Christina in Bukarest haben wir von Herrn Eugen erfahren. Als wir im April 2016 in Bukarest waren, berichteten wir bereits von ihm. Er hält Katzen und Tauben in Kellerverschlägen und er lässt niemanden nach unten …

 

Doch dieses Mal konnten wir sein Vertrauen gewinnen und uns einen Überblick über die derzeitige Situation verschaffen.

 

Wir lassen an dieser Stelle Bilder sprechen.

 

 

Herr Eugen ist kein böser Mensch, er liebt seine Tiere, die Katzen und Hunde lieben ihn. Man kann es am Verhalten der Tiere deutlich sehen. Wir denken, dass er bei der Masse den Überblick verloren hat und mit den vielen Tieren hoffnungslos überfordert ist, obwohl er sie schützen will vor all jenen, die ihnen Böses tun wollen und werden, wenn sie ihrer habhaft werden.

 

Wir wissen ganz konkret von anderen Tierschützern, denen Steine auf den Hof geworfen wurden, Gift wurde über den Zaun geworfen, es wurde eingebrochen, die Tierschützer wurden auf offener Straße bedroht und körperlich angegriffen. Und obwohl die Täter zum Teil sogar namentlich bekannt sind oder gar deren Tat von einer Überwachungskamera aufgezeichnet wurde, scheint dies die Behörden nicht zu interessieren. Die Tierschützer werden allein gelassen, sie haben offenbar den Status von Freiwild.

 

Insofern wird verständlich, daß er die Tiere nicht herauslassen will. Zumindest die Katzen waren, bis auf die frisch eingefangenen, in einem körperlich und seelisch guten Zustand, gut genährt mit schönem Fell und sehr zutraulich.

 

Die Hunde sehen auch den Umständen entsprechend gut aus, bis auf den große Lord. Herr Eugen hat ihn verletzt am Rathaus gefunden und aufgenommen, bevor ihn die Hundefänger mitnehmen konnten. Lord hat große Probleme mit der Haut, Fell ist am Rücken kaum noch vorhanden. Lord ist nicht sehr freundlich, der Einzige, der ihn anfassen kann ist Herr Eugen selbst.

 

Die Haltung und Behandlung der Tauben ist katastrophal, angesichts des Aufwandes und der noch größeren Abscheu der Menschen nicht verwunderlich, wenn er allein um das Leben der Tiere kämpft und diese u.U. in einem Zustand wieder hinausläßt, der nach hiesigem Verständnis für eine Freilassung keineswegs infrage kommen würde.

 

Wir wollen versuchen, sein Vertrauen zu erhalten, um damit den Tieren helfen zu können, insbesondere vor dem Hintergrund der Tatsache, daß Herr Eugen auch gesundheitlich angeschlagen ist.

 

Nach dem Besuch bei Herrn Eugen fuhren wir erneut zum Supermarkt, um Futter zu holen…wir hatten das vorher Gekaufte Herrn Eugen überlassen.

 

Da wir noch bei unserer Tierschützerin Christina in Bukarest vorbei wollten, brauchten wir also neues Futter.

 

Wir verbrachten zwei lehrreiche Stunden bei Christina, kauften im Anschluß neues Futter und machten uns dann auf den Weg nach Copaceni.

 

 

 Wir mischten das Futter für die Hunde im Kieswerk und fuhren, bewaffnet mit Taschenlampen, Gummistiefeln und 40 kg Futter los. Immer mit an Bord Niculae.

 

Er ist ein absolut außergewöhnlicher Junge von gerade einmal 17 Jahren. Er hört und sieht alles Wichtige, weiß genau um die Besonderheiten der Tiere und erkennt deshalb auch sofort, wenn es jemandem von ihnen nicht gut geht. Er ist immer einen Schritt voraus und mit soviel Gefühl und Liebe bei den Tieren und hilft, wo er kann. Er, der keine schöne Kindheit hatte, steht jetzt für Tiere ein. Im Tierschutz findet man so Jemanden sehr selten und dazu noch in Rumänien.

 

„MULTUMESC NICULAE“

 

Die Wege zum Kieswerk sind fast unpassierbar, wenn es geregnet hat. Tiefe Schlaglöcher gefüllt mit Schlamm reihen sich aneinander, der Müll liegt überall links und rechts soweit das Auge reicht. Es stinkt fürchterlich dort und zwischen all dem Müll immer wieder Hunde, die nach etwas Essbarem suchen.

 

 

 Wir verteilten das Futter an den trockensten Stellen im Kieswerk und da kamen sie auch schon aus jeder Ecke: die zwei Hundemamas mit ihren acht Welpen, vier weitere Hunde und noch einer und noch einer Wir blieben eine Weile dabei, um sicherzustellen, dass auch rangniedere Tiere etwas zum Essen abbekommen. Sie haben sonst keine Chance.

 

Wir krabbelten den Sandberg wieder hoch, wollten zurück zum Auto, mittlerweile war die Dunkelheit hereingebrochen und da leuchteten uns vier Taschenlampen mitten ins Gesicht. Gendarmerie.

 

Sie nahmen unsere Personalien und interessierten sich für den weiteren Inhalt unseres Autos. Gabi war taff genug, die dümmliche Frage, was wir denn mit soviel Hundefutter wollten und ob es nicht besser sei, die Hunde einzufangen und nach Bragadiru zu bringen, entsprechend zu beantworten. Sie zeigten wenig Verständnis. Offenbar war es den uni(n)formierten Herren vollkommen neu, daß es sich bei Hunden um fühlende Lebewesen handelt, die weder gequält noch umgebracht werden wollen. Um den Lernprozeß etwas zu beschleunigen, haben wir den Flyer unseres Tierschutzvereines ausgehändigt.

 

Die Gendarmerie hatte jedoch sogleich etwas viel Interessanteres zu tun, sie stoppten gerade einen LKW, der hier illegal Fäkalien entsorgen wollte. Gut für uns, denn die Hunde warteten. Es war inzwischen 23:00 Uhr geworden. Wir sind sicher, die Gendarmerie hatte noch viel Freude mit dem LKW. :-D

 

Unser Futter war alle, die zwei anderen Mamahündinnen mit Welpen am Straßenrand im Gebüsch hatten seit zwei Tagen kein Futter bekommen, also mischten wir neues Futter, nahmen frisches Wasser und fuhren los. Niculae weiß genau, wo die Stellen sind und kämpfte sich durch das Gebüsch. Er bastelte aus Karton und Holz eine kleine Möglichkeit zum unterschlüpfen, ließ zwei Töpfe voll mit Futter und frischem Wasser da. Ein genüssliches Schmatzen unterbrach die dunkle Stille neben der Straße. Die Welpen hatten den Weg zum Futternapf gefunden.

 

 

 Tag 7 – 23.09.2016 Abschied

 

Uns fehlten immernoch etliche Bilder und Beschreibungen von den Hunden und Katzen bei Gabi. Das hatten wir uns für den Nachmittag vorgenommen. Früh fuhren wir mit vier Katzen in die Tierklinik. Sie fuhren mit Gabi schon vor nach Copaceni, während wir Carmina und ihre Mutter trafen, sowie im Baumarkt einige Besorgungen machten, um Gabi und Niculae die Arbeit etwas zu erleichtern: eine Kopf- und eine gute Taschenlampe, sowie stabile Eimer für die Fütterung, einen großen Seitenschneider, Arbeitshandschuhe und eine stabile Schaufel.

 

 

Zurück in Copaceni machten wir uns eilig an die letzten Bilder und Beschreibungen der noch nicht erfaßten Hunde und Katzen.

 

Wir gingen Hund für Hund durch, es sind so gute Seelen, so wunderbare Hunde, die soviel mehr an Aufmerksamkeit bräuchten, als Gabi es je leisten könnte, sie muß stattdessen Grundlegendes leisten: Leben retten.

 

Aber wer weiß, vielleicht ist wenigstens Einigen bald auch eine große Portion Glück vergönnt…

 

 

 

 Im Dunkeln tranken wir noch einen Kaffee zusammen und verabschiedeten uns.

 

Wie im Flug verging diese Woche und so viele Eindrücke brachen regelrecht über uns herein. Es sind nicht nur die Tiere…es ist dieser immense Unterschied, der zwischen Arm und Reich klafft, die Armut und zum Teil hohe Verschuldung der Menschen zwingt viele in die Knie und sie haben nicht die Kraft oder den Willen sich nicht selbst der Nächste zu sein.

 

Ausnahmen gibt es immer wieder und diese verdienen unsere Hochachtung und Unterstützung.

 

Wir können die dringend benötigte Hilfe in Form von Futter und medizinischer Versorgung nur mit Ihrer Unterstützung leisten.

 

Jeder noch so kleine Beitrag hilft. Dankeschön.

 

 

Spendenkonto:

 

Initiative für Strassentiere e.V.

IBAN: DE53 6905 0001 0026 0680 23

Sparkasse Bodensee

 

Verwendungszweck bitte angeben, damit wir richtig zuordnen können. Vielen Dank

 

 

 

25.09.2016: Nachsatz:

Gabi war heute am Kieswerk, um die beiden Mamahündinnen mit ihren Babies und die vielen anderen Hunde zu versorgen. Sie fuhr an dem kleinen Gebüsch vorbei, wo wir den Hund in der Drahtschlinge gefunden hatten. Auf einmal bellte es von hinten und ein Hund kam wackelnd und schwanzwedelnd übers Feld gerannt, er bellte und hopste und setze sich vor Gabi hin. Er war es…er ist zurück gekommen…hat er das Auto erkannt? Hat er Gabis Stimme erkannt? Und wieder kullerten die Tränen…nur dieses mal vor Freude und Glück!