Rumänien

Reisebericht Rumänien / Bukarest / Ilfov / Calarasi 07.04.2016-09.04.2016


Tierschutzverein Initiative für Strassentiere e.V.
(von Martina Höllein und Sybille Meyer-Ouart)

Vorwort


Am 25.9.2013 hat das rumänische Verfassungsgericht das vom Parlament verabschiedete Tötungsgesetz für Hunde bestätigt: In ganz Rumänien dürfen nun Strassenhunde eingefangen und nach einer "Aufbewahrungsfrist" von 14 Tagen getötet werden. Täglich geschieht das unter grausamsten und schlimmsten Umständen. Es sind Menschen, wie die 3 Tierschützerinnen, die wir besuchten, die sich diesen Tieren annehmen, sie von der Straße holen, Mütter mit ihren Welpen von den Feldern und Müllkippen sammeln, sie aus der Tötung und aus den städtischen Tierheimen rausholen. Sie versorgen die Tiere, päppeln sie auf, lassen sie medizinisch behandeln und kastrieren und ganz oft haben sie kaum Geld, um selber zu leben.

3 Tierschützerinnen in 2,5 Tagen….


Mit gemischten Gefühlen stiegen wir ins Flugzeug…immer die Frage im Hinterkopf: „Was wird uns erwarten…?“

Angekommen in Bukarest machten wir uns gleich auf den Weg zu...

...Christina,


...sie lebt mit Ihrem Mann mitten in Bukarest.


Ihr Leben und ihr Haus teilen sie sich mit vielen geretteten Hunden und Katzen, die alle mit auf dem Grundstück leben. Es sind viele alte und kranke Tiere dabei, die ihren Lebensabend dort verbringen werden, aber auch viel Jungvolk bis hin ins mittlere Alter, von groß bis klein, mit viel Fell und wenig Fell ;-).

Die Versorgung der vielen Tiere über die Jahre hat die Ersparnisse aufgebraucht und  aufgrund des Alters der Beiden und dem Gesundheitszustand von Christina ist es uns wichtig, für einige ihrer Hunde und Katzen ein Plätzchen auf Lebenszeit zu finden.

Die Situation mit dem Rudel mitten in Bukarest ist nicht leicht, die Nachbarn beschweren sich und oft steht die Polizei vor der Tür. Sie leben in ständiger Angst, dass die Polizei Ihnen die Tiere wegnimmt, um die sie sich aufopferungsvoll kümmern.

Wir wurden von beiden ganz herzlich empfangen, ein leckeres Mittagessen aus den verschiedensten rumänischen Spezialitäten stand schon auf dem Tisch.

Danach durften wir die Tiere kennenlernen, Bilder und Beschreibungen machen.

 

Die Begrüßung durch die Hunde war stürmisch. Auf dem vorderen Teil des Grundstückes leben die etwas kleineren, zutraulichen Hunde, auf dem hinteren Teil ein Rudel aus großen Hunden, manche ängstlich und mißtrauisch, aber viele auch neugierig und einfach liebenswert.

Nicht nur, dass Christina sich mit Unterstützung von zwei Helferinnen um ihre eigenen Tiere kümmert, sie unterstützt viele arme Leute, denen das Wohl der Tiere am Herzen liegt, mit Futter und einen alten Mann, der 4 Querstraßen weiter wohnt. 

Dieser hat 4 Hunde und 11 Katzen. Bisher kannten wir den alten Mann und die Umstände, unter denen er seine Tiere hält, nur aus Erzählungen...wollten schon dort nicht glauben, was uns  berichtet wurde.

Er  hält die Katzen in einem dunklen kleinen Kellerverschlag ohne Tageslicht, die Hunde kommen nur stundenweise in den kleinen Auslauf im vorderen Teil des Grundstücks. Mehr Platz ist nicht, denn es ist alles zugestellt, verbaut, vermüllt...

Für uns sind diese Zustände kaum zu ertragen.
Für ihn ist das selbstverständlich, denn er denkt, wenn er die Tiere frei lässt, werden sie getötet. Keines seiner Tiere würde er freiwillig hergeben.

 

 

 

Im Februar 2016  hatten wir es geschafft- nach 2 Monaten und nur mit Hilfe von Christina- die Hündin Mäddy rauszuholen.

 

 

 

 

 

 

Nun hat er zugesagt uns auch die Hündin Rona zu geben!

Aber wird es auch ein Chance für die Katzen geben? Wir werden es versuchen..einen Weg müssen wir finden...er wird steinig und nicht einfach und wenn es soweit ist sind tierliebe Menschen gefragt, die und zur Seite stehen die Katzen aufnehmen.

Am nächsten Morgen sind wir als erstes in den nächsten Supermarkt und haben Hundefutter, Katzenfutter, Wasser und Schälchen gekauft und machten uns auf den Weg nach Budesti / Calarasi zu Carminas kleinem Shelter.

In Bukarest selbst sieht man keinen Hund mehr auf der Straße, sobald man die Stadt verlässt sitzen und stehen und liegen sie überall wo man hinschaut. Sie liegen überfahren auf der Straße und am Straßenrand...es schüttelt uns bei diesen Anblicken.

Dort, wo wir die Möglichkeit haben, halten wir an und versorgen mit Futter und Wasser...

Nach 1,5 Stunden erreichen wir das kleine Shelter von Carmina.


Victoria, eine ganz liebe Frau, die mit dem Herzen bei Carminas Hunden hilft, stand schon aufgeregt vor dem Tor.

Eine kleine beigefarbene Hündin  presste sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite an den Zaun inmitten von dornigen Rosenbüschen.

Victoria hatte bereits die Erfahrung mit ihren Zähnen gemacht, bei dem Versuch sie hochzunehmen. Niemand konnte sagen, wo sie herkam bzw. wie sie dorthin kam...

Wir gaben ihr Futter und Victoria Wasser und ließen sie erst mal in Ruhe.

Wir luden unser Futter ab und gingen ins Shelter. Es führte ein Weg durch den vorderen Teil des Grundstückes. Der Frühling / bzw. dort der Sommer bei 22 Grad hielt Einzug, alles begann schon zu blühen und zu sprießen. Die beigefarbenen Hunde sah man zuerst in dem hohen Gras gar nicht, erst beim 2. Blick rannte etwas durch die Büsche und guckte mit großen Augen.  Ein paar Schnappschüsse sind gelungen....

Durch ein weiteres Tor kamen wir zum hinteren Teil des Grundstücks.

Ein herzliches und aufgeregtes Bellen empfing uns. Victoria machte sich gleich daran, die Hunde aus den Zwingern zu lassen und innerhalb von 5 Minuten wirbelten uns geschätzte 20 Hunde durch die Beine. Die Kamera gab auf, das war zu schnell für sie.

Es war ein wunderbares Gefühl zu sehen, wie die Hunde herum flitzten, sich freuten und aufgeregt in jeden Zwinger liefen, um zu gucken wer da wohl wohnt. Sie spielten und rannten die ganze Zeit von A nach D und Y zu F. Dann kam Carminas Mama.

Sie machte Futter für die Hunde, wobei sie sich Zeit für jeden einzelnen Hund nahm. Die Hunde, die etwas mehr Futter benötigten, bekamen dies auch - dies zu sehen, tat dem Herzen gut.

Natürlich nahmen sich die, die mehr wollten auch ungefragt die Sahnestückchen...warum auch  nicht...es war Freitag :-)

Wir machten viele Bilder, unterhielten uns mit den Hunden in einer Sprache, die die Hunde ganz sicher nicht verstehen, beobachteten das Treiben der Hunde und beschlossen dann, einen zweiten Versuch zu starten, die kleine, beigefarbene Hündin vor dem Shelter einzufangen. 

Mit Handschuhen und einem Handtuch bewaffnet gingen wir behutsam auf sie zu- aber dieses Mal ließ sie sich ganz ohne Probleme anfassen und sogar von Sybille auf den Arm nehmen.

Wir brachten sie rein, in einen leeren Zwinger. Carminas Mama und Victoria entfernten zuerst die Zecken, streichelten sie ausgiebig und ließen sie wissen, dass sie keine Angst haben muß.

Sie war sehr ängstlich, ihre Rute war dauernd eingezogen, alles war neu und ungewohnt, aber wie freuten wir uns und Sybille hatte sogar ein paar Tränen in den Augen, als dann das erste zaghafte Schwanzwedeln zu sehen war. Wir verließen den Zwinger, damit sie zur Ruhe kommen konnte- die kleine Maus verabschiedete sich freudig schwanzwedelnd von uns. Sie wird ein Zuhause brauchen...

Es wurde schon richtig viel geleistet in diesem kleinen Shelter, man kann es sehen an den Zwingern, an den Hütten , an der Aufteilung...man spürt die Herzlichkeit und Kraft , die in diesem kleinen Shelter steckt...Diejenigen, die sich hier engagieren, tun soviel Gutes- Ihnen danken wir von ganzem Herzen!

Für uns wurde es Zeit aufzubrechen, denn unser Weg führte uns noch nach Ilfov, zu unserer Tierschützerin Gabi, was ca. 22 km weiter entfernt liegt.

Auch auf diesem Weg begegneten uns unzählige Hunde. Dort, wo wir konnten, fütterten wir.

Kurz vor Ilfov rannte uns auf einmal ein schwarzer Hund vor das Auto, weit und breit kein Haus ...mitten im Nichts. Wir hielten an, stiegen aus, der Hund verschwand bellend und knurrend in dem seitlichen Abhang der Straße.

Wir ahnten, was das bedeutet. Wir gingen hinterher. Im Graben unter einem kleinen Busch fanden wir die Hündin, die sich wie eine Löwin über ihren 5 Welpen aufbäumte. Sie hatte kaum Kraft zu stehen, war so dünn, dass man jeden einzelnen Knochen sehen konnte und hatte kaum Fell.

Als wir genauer hinschauten, sahen wir, dass ein Welpe bereits tot war. Dennoch beschütze sie ihn und schoß wie eine Rakete hervor, wenn man sich auch nur ansatzweise näherte.  Wir holten Futter und Wasser. In respektvollem Abstand und mit dem Gedanken, dass es regnen könnte, streuten wir Futter für ein paar Tage in einen Karton und füllten einen herumliegenden Eimer mit frischem Wasser.

Die Hündin fraß und die Welpen machten sich einen Spaß daraus, im Wasserschälchen rumzuplanschen. Das ließ uns etwas Zeit, uns umzuschauen.

Ein halb gefressener Hund, ein skelettierter Kopf eines Lebewesens, das wir nicht definieren konnten, Hühnerskelette und eine verweste Ziege, ansonsten Plastik und Müll gemischt mit dem Geruch von Verwesung.

Wir verließen die Hundefamilie in der Hoffnung, dass sie nicht mehr wegrennen muß, um Futter zu suchen, wir hatten genug dagelassen für die nächsten Tage...wir nahmen uns vor, Gabi zu bitten, nach der kleinen Familie zu schauen...

Update: 12.04.2016: Gabi hat nach der Hündin geschaut, sie war nicht mehr da, auch die Welpen nicht mehr. Es hatte die letzten Tage furchtbar geregnet, wir hoffen, dass sie sich nur einen anderen Unterschlupf gesucht hat. Gabi wird weiter gucken..

Also stiegen wir sprachlos und gedankenvoll ins Auto und fuhren weiter. Nach ca. 2 km erreichten wir das Gelände von


Gabi

 


Eine große schlanke Frau, die das Herz am rechten Fleck und das Lächeln im Gesicht trägt, begrüßt uns. Wir laden das restliche Futter ab und gehen durch ein großes eisernes Tor. Wir müssen etwas schmunzeln, da es ein großes Tor, aber keine Umzäunung gibt. Das Grundstück auf dem ihre Hunde leben ist ein kleines Fabrikgelände/Feld , dass sie nutzen kann. Es hat ein Tor, ist aber nicht eingezäunt.

Viele Hunde leben daher überwiegend an der Kette. Ließe sie sie frei, ständen Ihrer Überlebenschancen sehr schlecht. Vom Auto überfahren oder vom Hundefänger in die Tötung gebracht…das sind die Gefahren, vor denen Gabi ihre Schützlinge bewahren will.

Sie hat 2 provisorische Gehege gebaut, für die jüngeren Hunde; die ganz jungen Welpen und die Katzen laufen frei herum.

Auf dem Grundstück leben ca. 60 Hunde und ca. 20 Katzen.
Wir gehen von Hund zu Hund, verteilen das Brot, dass wir noch geholt haben, machen Bilder und Beschreibungen, denn jeder von ihnen soll eine Chance bekommen auf sein erstes, eigenes Zuhause. Baloo, Peacook, Titi, Trudy, Kristal, Lupi, Lambada, Timid, Mara, Rita, Zorro, Suzi....wir kannten sie von den Bildern und Beschreibungen...


Es bleibt nicht mehr viel Zeit, denn auch sie werden größer und wollen die Welt erkunden. Sie folgen den Menschen, die am Grundstück vorbei laufen oder pilgern zu der nahe gelegenen Müllkippe. Dass das für sie lebensgefährlich sein kann, verstehen sie nicht. Erst vor 4 Wochen wurde ein kleiner Welpe an der Straße dort überfahren und die Autofahrer bremsen hier nicht…

Auf dem Grundstück gibt es derzeit keine Möglichkeit, einen umzäunten Bereich einzurichten, wo dieses Jungvolk untergebracht werden kann. Die einzige Möglichkeit besteht im Moment darin, dass die Junghunde aus dem einen eingezäunten Gehege,, 5 an der Zahl. ca. 5-6 Monate alt, ein Zuhause oder eine Pflegestelle finden und Gabi diesen Platz nutzen kann, um die ganz Kleinen unterzubringen.

Wir bitten hier um Mithilfe. Es sind hier dringend tierliebe Menschen gesucht, die einem Hundekind ein Plätzchen als Zuhause oder als Pflegestelle geben können.

Mittlerweile war es 18.00 Uhr, es begann zu regnen… und wir machten uns auf den Heimweg.

Zum Abschied übergaben wir Gabi das bestellte Chiplesegerät, damit sie nicht wegen jedem Hund zum Tierarzt fahren muss, um nachschauen zu lassen, ob ein Findling gechippt ist oder nicht. Sie hat sich sehr gefreut und sich tausendmal bedankt.
Weiterhin haben wir zugesagt, die Rechnungen für die Grundimmunisierung, Entflohung und Entwurmung der Kleinsten zu übernehmen. Dies hätte sie nicht alleine bewältigen können, weil einfach kein Geld da ist.

Tausend Gedanken schwirrten unswie Blitze durch den Kopf, wo anfangen…was zu allererst… wo aufhören.


Dringend benötigtes Hunde- und Katzenfutter, Welpenfutter für die Kleinen…Kastrationen, Wurm- und Flohmittel für die vielen Tiere…dringend benötigte Hütten…die Anbringung einer Umzäunung, wenn die Möglichkeit besteht…der Bau eines weiteren Geheges….?

Wir werden zusammen mit Gabi beratschlagen, welche Hilfe wir leisten und wo wir sie kontinuierlich unterstützen können. Wir werden bald darüber berichten und hoffen dabei auf viel, viel Unterstützung in Form von Spenden, Sachspenden, Ideen und aktiver Mithilfe.
Drei aufregende- aber auch bedrückende Tage sind vorbei. Wir haben viel Armut und Elend gesehen, ausgemergelte Pferde vor Karren und erschreckend viele totgefahrene Hunde und Katzen.

Die Selbstlosigkeit und das Engagement der Menschen vor Ort, wie Christina, Carmina und Gabi, die selber nicht viel haben und dennoch so mitfühlend, hilfsbereit und gastfreundlich sind, haben unseren größten Respekt und unsere Hochachtung.

Die Nacht war kurz, denn das Erlebte ließ uns nicht wirklich zur Ruhe kommen.


Wir können die dringend benötigte Hilfe nur mit Ihrer Unterstützung leisten.
Jeder noch so kleine Beitrag hilft. Dankeschön!

Spendenkonto:
Initiative für Strassentiere e.V.
IBAN: DE53 6905 0001 0026 0680 23
Sparkasse Bodensee


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