POLEN

 

Reisebericht

Polnische Auffangstation Gorzow vom 07.09.2015

von Martina Höllein

 

Ich fahre jetzt das 5. Jahr in die polnische Hundeauffangstation nach Gorzow.

 

Viele Sachspenden die wir bekommen haben, wurden Tage vorher gerichtet und gepackt, sortiert, wer was am Nötigsten hat. Ca. 100 Hunde befinden sich derzeit in der Auffangstation und die "Katzenfrauen" wie wir sie nennen, kümmern sich um obdachlose, kranke und verletzte Katzen. Die Auffangstation bietet keinen Platz für Katzen.

 

Unserer Fahrt beginnt in Berlin. Hannes, ein guter alter Tierschutzfreund und mir im Laufe der Jahre sehr ans Herz gewachsen, holt mich um 8.00 Uhr ab. Wir verladen die vielen Sachspenden, holen das Futter für eine Fütterung von 120 Hunden und fahren Richtung Gorzow.

Wir möchten uns gleich hier an dieser Stelle für die vielen Sachspenden bedanken, Decken, Handtücher, Verbandsmaterial, Leckerli, Futter, Leinen; Halsbänder, Flohmittel, Näpfe und sehr gut erhaltene Wintersachen traten ihren Weg nach Gorzow an. Danke an alle fleißigen Sammler, ohne euch, wäre das nicht möglich!!!!
Wir bedanken uns auch ganz herzlich bei den Tierversuchsgegnern Berlin-Brandenburg e.V., die die Kosten für das Futter für Hund und Katz übernommen haben. DANKE!!!!!

 

 

Unsere erste Station ist der Reifenhändler, kurz hinter der Grenze Küstrin. Hier sind 2 kleine Hunde auf dem Hof zu Hause, die an unserer Gesellschaft mittlerweile Gefallen gefunden haben, sie sind nicht mehr scheu, sondern freuen sich, wenn das Auto mit den Leckerlis kommt.

 

 

Noch nicht mal 500m gefahren, rennt uns fast ein Hund vor´s Auto, quer über die Schnellstrasse. Mir einer Vollbremsung halten wir am Strassenrand an, springen aus dem Auto und locken den Hund zu uns, damit die LKW´s ihn nicht überfahren. Er kommt , lässt sich streicheln und nimmt unserer Leckerlis.

Ich schaue die Strasse hoch und runter, kein Haus wo er hingehören könnte. Was machen? Mit nach Gorzow nehmen? Als ob er meine Gedanken gespürt hätte, setzt der Hund seinen Weg plötzlich schnurstracks fort, er drehte sich noch einmal um und ging dann zielstrebig seiner Wege. Am Abend auf der Rückfahrt würden wir nochmal anhalten, um zu schauen ob er in der Nähe ist.

Der nächste Stop, ca. 3 km weiter, ist der Korbmacher. Hier sitzt Lina. Bis vor 9 Monaten hatte Lina noch einen Weggefährten, Schäferhund Perseus, er ist aber im Dezember 2014 gestorben und nun ist Lina allein. Sie leidet unter der Einsamkeit, man sieht es Ihren Augen an. Sie ist eine Seele von Hund.

Gern möchten wir Lina aus diesem verwilderten Gelände rausholen, aber der Besitzer lässt es nicht zu. Wir haben ihn gebeten, dann wenigstens einen 2. Hund zu ihr zu setzen, aber das möchte er auch nicht. Wir werden es weiter versuchen, Lina aus ihrer Einsamkeit raus zu holen.

Wir haben sie gefüttert, eine Decke in die karge Hundehütte gelegt und ihr ein Mittel gegen Parasiten gegeben. Dann gehts schon weiter.

Das letzte Bild von Perseus

Unser nächstes Ziel ist der Blumenhändler ca. 3 km weiter. Hier haben Hannes und Theresa eine Futterstelle für die Katzen eingerichtet. An dieser Stelle, Theresa und Hannes, danke ich euch von Herzen, dass Ihr die Strapazen und das Leid, die Ohnmacht und Verzweiflung Woche für Woche in Kauf nehmt und die Katzen hier versorgt!! Der Blumenhändler möchte die Katzen nicht kastrieren lassen... Wir füttern , geben frisches Wasser und leiden still..., noch....

Gegen 13.00 Uhr erreichen wir die Auffangstation in Gorzow.

Wir laden das Futter und die vielen Sachspenden aus. Das Wiedersehen ist sehr herzlich und wir merken, dass wir mehr als willkommen sind. Die Katzenfrauen sind auch da und wir verteilen die Dosen Katzenfutter. Es ist nicht viel was wir geben können, für die Vielzahl der Katzen die derzeit zu versorgen sind, aber wir bemühen uns jedesmal eine Dose mehr einzupacken.

 

Unser erster Gang ist durch alle Zwinger, Neuzugänge in der Quarantäne, wer liegt in der Krankenstation, sind Welpen und Katzen da... einen Überblick verschaffen, um zu koordinieren, was in welcher Reihenfolge zuerst getan wird. In Gorzow hat sich einiges getan, die Küche, in der das Futter für Hunde zubereitet wird wurde renoviert, die Krankenstation ist sauber und aufgeräumt.


Hannes kümmert sich zuerst um Bullek. Dieser Hund hatte es bisher nicht leicht, war mißtrauisch und aggressiv. Seit Hannes mit ihm arbeitet, ist er wie ausgewechselt. Er vollführte einen regelrechten Freudentanz als Hannes zu ihm an den Zwinger kam.

Parallel bereitet unser Lieblingspfleger Czesiu die Fütterung vor.

Mit meiner 8m Schleppleine bewaffnet, hole ich mir einen Hund nach dem anderen aus den Zwingern und gehe Gassi bzw. haben die Hunde solch einen Bewegungsdrang, dass sie mit mir Gassi gehen. Die Auffangstation liegt nahe dem Fluß Warthe, so dass ich am liebsten ans Wasser mit den Hunden gehe, um sie ein bisschen schwimmen zu lassen.

Die Zeit verrennt wie im Flug, nach der Fütterung 18.30 Uhr treten wir den Heimweg an.

 

Es macht mir jedesmal das Herz schwer, wenn ich durch die Zwinger schaue und nach 4 Jahren bekannte Hundeaugen in den Zwingern sehe. Hunde, die sich verstecken, wenn man sie anspricht, die ängstlich in der hintersten Ecke des Zwingers kauern und mutig werden, wenn man geht, die einen mit riesigen Augen anschauen und man die Anspannung und die Angst am Körper spüren kann...Werden sie diese Auffangstation jemals verlassen...? Eher nicht...Und so werde ich wieder fahren und in die selben großen traurigen Augen schauen...

 

Nachwort:

Lina vom Korbmacher hätte einen Platz auf einem Gnadenhof in Rokitno. Wir suchen dringend eine Patenschaft für Lina, die ihr den Umzug und das Leben dort ermöglicht. Die Kosten liegen bei 50,00 € im Monat, die wir versuchen mit Ihrer Hilfe zusammenzubekommen. Danke sagen wir jetzt schon für Lina...

 

Martina Höllein

Initiative für Strassentiere e.V.